Im Rheinland - Ende der vierziger Jahre; die Wunden des Krieges waren einigermaßen verheilt. Der Alltag der Leute hatte sich wieder normalisiert so gut es ging. Die Menschen gingen zur Arbeit und begannen langsam wieder zu leben. Feste, die vor dem Krieg gefeiert wurden, ließ man nach und nach wieder aufleben und in Köln zog am 28. Febr. 1949 der erste Rosenmontagszug nach dem Krieg durch die Straßen der zum großen Teil noch zerstörten Stadt. Aber es wurde wieder Karneval gefeiert. Das Motto dieses ersten Zuges: „Mer sinn widder do un dunn wat mer künne“ traf die damaligen Aktivitäten genau auf den Punkt.
Die einen feierten Straßenkarneval und traditionsreiche Gesellschaften - aber auch neu gegründete Vereine organisierten wieder erste Sitzungen. Doch was sind Sitzungen ohne Aktive auf der Bühne - mit Rede, Musik oder Tanz. Die aktiven Karnevalisten – die zum Teil schon vor dem Krieg auf den Bühnen standen – waren wieder gefragt.
Vereinsgründungen nahmen sich auch die aktiven Karnevalisten zum Vorbild und in Köln entstanden daher auch Vereine der Karnevalisten: 1949 gründete man die Muuzemändelcher und 1950 den Klub Kölner Karnevalisten, denen im Jahre 1951 auch der Stammtisch Kölner Karnevalisten folgen sollte. In einer Gemeinschaft von Karnevalisten sah man die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen oder sich auf einem selbst organisierten Vorstellabend für Sitzungen und andere Veranstaltungen zu präsentieren. Die Mitglieder dieser Vereinigungen waren mehr oder weniger alle aus Köln.
Doch auch im Umland hatte man den Trend der Zeit nicht ganz verschlafen, daher kamen auch hier aktive Karnevalisten zusammen, die überwiegend bei den Sitzungen auf dem Lande auftraten, um sich ebenfalls zu einem Verein zusammenzutun, es entstand die „Vereinigung Landkölner Karnevalisten“. Erst zum Ende der 60er Jahre wurde daraus dann die „Vereinigung Landrheinischer Karnevalisten“. Als „Gründungsväter“ oder „Männer der ersten Stunde“ kann man Peter Benz, Dr. Ludwig Meyer und Christian Laufenberg bezeichnen, die sich in Hürth in der Gaststätte „Rheinischer Hof“ bei Paula Mellen trafen, um auch gleich für 1950 den ersten Vorstellabend der späteren VLK vorzubereiten. Die ersten Schritte der jungen Vereinigung waren noch schwer, doch unter dem engagierten ersten Vorsitzenden Peter Benz feierte man auch die ersten Erfolge. Die Vorstellabende im Saal bei Paula Mellen wurden immer beliebter, sodass man bald in den größeren Saal Steinfeld umziehen musste. Später wechselte man mehrfach innerhalb von Hürth - letztendlich ins Haus Burgpark in Efferen, wo wir heute noch beheimatet sind.
Durch den wachsenden Bekanntheitsgrad der VLK und deren Vorstellabende, war es auch verständlich, dass schon bekannte Karnevalsgrößen den Weg zur VLK fanden, um sich dort den meist aus dem Umland angereisten Vereinen zu präsentieren. Sinn uns Zweck dieser Vorstellabende war damals wie heute: Wer auf der Bühne gute Leistung bringt, soll auch mit vielen Engagements „belohnt“ werden. „Verträge“ wurden per Handschlag gemacht und es wurden Gagen vereinbart, die Anfang der 50er Jahr auch schon mal aus Naturalien bestanden - dann jedoch meist in flüssiger Form. Aber es wurden auch schon Honorare bezahlt, die der ersten Zeit gerade für Sprit oder Kostüme reichten.
Nachdem Peter Benz den Vorsitz der VLK abgab, folgten ihm Dr. Ludwig Meyer, Werner Düster, Hans Kallrath, Jupp Thiesen, Heinz Otten, Adam Kranz, Dieter Kappel und seit Mai dieses Jahres nun Hans Georg Paßmann.
Die ersten weit über die Grenzen hinaus bekannten Kräfte der VLK waren Jahren der „Nubbels Chress“ (Christian Laufenberg) und „Die Beckmänner“ (Kurt und Adolf Beckmann), später folgten dann der „Höhnerköttels Lambert“ (Hermann Josef Kallrath) sowie „Dotz un Dötz“ (Hans Kallrath und Theo Lucht), die „2 Drüjje“ (Christian Gehlen und Josef Lambertz), „Die Pittermännche“ (Christian und Willi Meurer) sowie „Dä buure Schutzmann“ - Franz Kleefisch.
Im Laufe den folgenden Jahrzehnte sah man viele Karnevalisten kommen und gehen; manche hielten sich nur zwei oder drei Jahre auf der Bühne, andere wurden zu echten Dauerbrennern. So war es nicht verwunderlich, dass wir auf viele Mitglieder stolz sein durften, die über Jahrzehnte in den Reihen der VLK blieben. An die Namen dieser Solisten, Duos und Gruppen aus unseren Reihen erinnert man sich bis heute noch gerne. Hier wären besonders zu erwähnen Jakob Mießeler und Heinz-Günter Friedsam, um hier wirklich nur zwei Beispiele zu benennen.
Die Institution Vorstellabend wurde immer mehr zum Treffpunkt der Präsidenten und Literaten, die sich noch einmal die Qualität der bereits engagierten Programmpunkte ansehen wollten und auch immer wieder nach neuen Leuten mit neuen Ideen Ausschau hielten. Gerade „auf dem Lande“ wurde man da häufig fündig und so war es der natürliche Lauf der Dinge, dass sich auch Karnevalisten aus dem „Umland“ nach und nach auf den großen Bühnen in Köln oder anderen Städten etablierten. Auch da haben wir gute Beispiele: „Die Fidelitas“, die „Original Tanzgruppe Kölsch Hänneschen“, „Die Böschräuber“ (Jupp Recht und unser Ehrenbaas Heinz Otten) und der im letzten Jahr leider viel zu früh verstorbene Adam Kranz – „Ne Reporter vom Buure Blättche“ -, der viele Jahre die Geschicke der VLK maßgeblich lenkte.
Manch einer ist trotz der großen Erfolge der VLK treu geblieben; mancher hat aber nach den Erfolgen in Köln nicht mehr den Weg zurück gefunden (aber auch sicher nicht gesucht).
Um verdiente und treue VLK-Mitglieder zu ehren, hat man auf Anregung des ersten Präsidenten der „Original Tanzgruppe Kölsch Hänneschen“ - Josef Gresser - eine Plakette ins Leben gerufen, die bis heute seinen Namen trägt. Mit dieser „Josef-Gresser-Gedächtnisplakette“ wurden viele ehemalige und aktuelle VLK-Mitglieder ausgezeichnet.
Aber auch über den Horizont der VLK hinaus wurde eine Ehrung ins Leben gerufen. 1981 initiierte der damalige Baas Jupp Thiesen die „Goldene Krone des Rheinlands“. Seit dieser Zeit werden jährlich Karnevalisten – egal ob sie auf oder hinter der Bühne wirken – ausgezeichnet, die neben ihrer normalen Karnevalsaktivität auch soziales Engagement zeigen und durch ihren Bekanntheitsgrad Menschen helfen und erfreuen, die Unterstützung bedürfen. In diesem Jahr erhält diese Auszeichnung Willibert Pauels – „Ne bergische Jung“.
Auch in der jüngeren Vergangenheit haben einige von uns die großen Bühnen des Karnevals erobert, hier wären zu nennen die „Huusmeister vom Bundesdaach“ (Frank Fahnder und Axel Foppen), die „Klüngelköpp“ und auch „Dä Blötschkopp“ -Marc Metzger.
Abschließend möchten wir uns bei allen Gesellschaften, Vereinen, Präsidenten, Literaten und auch Agenturen für die meist jahrzehntelange Treue zu unserer Vereinigung und zu unseren Mitgliedern herzlich bedanken und würden uns freuen, auch in Zukunft erfolgreich mit Ihnen zusammen arbeiten zu können.
Wolfgang Raschke